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beeindruckender Vortrag über Fukushima heute und die japanische und internationale Atompolitik

Veröffentlicht von Hans (hans) am Nov 12 2013
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Seine kritische Haltung gegenüber der Atomtechnologie erläuterte er damit, dass keine Technik von Menschen absolut beherrschbar ist und daher eine Technik nicht verwendet werden darf, die so verheerende Schäden anrichtet. Von ihr geht nicht nur im erdbebengefährdeten Land Japan eine zu große Gefahr aus.

Zunächst ging Herr Kobayashi auf die Atombombenangriffe der Amerikaner 1945 am Ende des 2. Weltkriegs ein. Er erläuterte, dass diese Angriffe keine strategische Bedeutung mehr hatten, sondern lediglich die Wirkung von Atombomben auf existierende Infrastruktur und Menschen testen sollten. Diese These wurde sehr eindrücklich durch die Tatsache untermauert, dass die Leichen der in Hiroshima und Nagasaki Umgekommenen von den Amerikanern sofort nach Einmarsch konfisziert wurden und den Japanern jegliche eigene Untersuchungen zu den Folgeschäden und Kommunikation darüber verboten wurden. Dies änderte sich erst mit dem Friedensvertrag zwischen Japan und den USA 1952. Durch dieses Verbot gab es aber zu diesem Zeitpunkt keine spezialisierten Ärzte, die Untersuchungen hätten anstellen können. Bei den später von den Amerikanern im Südpazifik durchgeführten Atombombentests wurden auch viele japanische Fischer verstrahlt. Dies führte zum ersten Mal zu einem Protest der japanischen Regierung, der aber mit Geld von den USA zum Schweigen gebracht wurde.

Herr Kobayashi zeigte dann Bilder, die verdeutlichten, wie in der Präfektur Fukushima zur Zeit versucht wird, nach außen ein Bild von Normalität zu erzeugen. Dies geschieht durch die Ausrichtung verschiedener Feste, vor allem unter Einbeziehung von Kindern, trotz nach wie vor hoher radioaktiver Belastung und damit Gefährdung gerade der Kinder. Ebenso geschieht es durch die Manipulation von Messwerten. Herr Kobayashi hat, zusammen mit einem deutschen Journalisten, mit einem genauen Messgerät in der Region Fukushima Messungen durchgeführt und musste dabei feststellen, dass die Messwerte der öffentlich einsehbaren Messgeräte offensichtlich auf zweierlei Weise manipuliert sind und zwar 1) durch sorgfältige Dekontamination nur der unmittelbaren Umgebung der Messstationen, was die Werte gegenüber der sonstigen Umgebung in etwa halbiert und 2) durch softwaremäßige Manipulation der angezeigten Werte um den Faktor 0,5, so dass die tatsächlichen Werte gegenüber den angezeigten viermal höher sind. Außerdem wurden kurz nach dem Unfall von Fukushima auf Anraten der IAEO die Grenzwerte für Radioaktivität in Japan von 1 mS/Jahr auf 20 mS/Jahr hochgesetzt, um Schadenersatzforderungen die Grundlage zu entziehen. Zusätzlich zu diesen Täuschungen der Bevölkerung durch die Behörden, sind die Ärzte angewiesen, bei allen untersuchten Menschen nur unübersehbare Schäden zur Kenntnis zu nehmen. Bei 1200 von etwa 4000 untersuchten Kindern wurden aber Zysten oder Knoten in der Schilddrüse, Vorstufen zu Krebs, festgestellt, die nicht „unübersehbar“ sind.

In diesem Zusammenhang bat Herr Kobayashi die Zuhörer um Spenden für ein unabhängiges Kinderkrankenhaus, in dem alle Eltern ihre Kinder auf radioaktive Schäden untersuchen lassen können. Im Gegensatz zu den behördlich reglementierten Untersuchungen sollen hier die Eltern eine wahrheitsgemäße Auskunft über den gesundheitlichen Zustand ihrer Kinder erhalten verbunden mit Behandlungs- und Verhaltensempfehlungen.

Mit tränenerstickter Stimme dankte Herr Kobayashi für die großzügig gegebenen Geldmittel.

Danach zeigte Herr Kobayashi verschiedene Bilder von Betroffenen, die immer noch in der Präfektur Fukushima leben und die er über die Gefahren aufgeklärt hat. Das führte zu sehr unterschiedlichen Reaktionen. Einige glauben weiterhin den Aussagen der Regierung, dass das Leben dort sicher sei, andere haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, da sie die vor der Katastrophe erworbenen, mittlerweile unverkäuflichen Häuser weiter abbezahlen müssen. Diese Menschen sind verzweifelt. Ein Landwirt wurde von der Regierung aufgefordert, seinen gesamten Viehbestand zu töten. Er hat sich dieser Anordnung widersetzt: „Ich sterbe lieber mit meinen Tieren.“ Jetzt muss er zusehen, wie die Tiere krank werden, und kein Tierarzt weiß, wie er ihnen helfen kann. Der Sohn eines Fischers wurde von der Familie seiner nicht aus der Region stammenden Verlobten als Schwiegersohn abgelehnt: „Wir wollen keine behinderten Enkelkinder bekommen.“

Zum Schluss ging Herr Kobayashi noch einmal auf die Punkte ein, die dafür verantwortlich sind, dass sich der wichtige Widerstand der japanischen Bevölkerung gegen die Atomtechnologie nur so zögerlich entwickelt. Er erläuterte die Mentalität der Japaner, die vom 17. Jahrhundert an in der Tokugawa-Shogun-Dynastie bewusst von der herrschenden Elite geprägt wurde und das unbedingte Vertrauen und den unbedingten Gehorsam gegenüber höher Gestellten fordert. Gerade in letzter Zeit sind außerdem von der konservativen Regierung Japans Gesetze zur Inhaftierung Verdächtiger verschärft worden, so dass jetzt Menschen ohne Angabe von Gründen für 24 Stunden in Haft genommen werden können. Darüber hinaus kann diese Frist auch ohne große Formalitäten verlängert werden. Daher raten ihm seine Freunde dringend, mit seinen Aussagen vorsichtiger zu sein.

Die anschließende Diskussion zeigte deutlich die Betroffenheit vieler Zuhörer. Es herrschte allgemeiner Konsens, wie wichtig es auch hierzulande ist, deutlich sichtbar gegen die Atomenergie zu protestieren. Aus diesem Grund trifft sich die Fukushima Mahnwache Schönberg weiterhin jeden Montag von 18.00 – 18.30 Uhr in der Bahnhofstraße in Schönberg. Am Sa, 30. Nov. organisiert sie eine gemeinsame Fahrt mit der Bahn zur Energiewende-Demo nach Berlin. Zu Beidem sind weitere Mitstreiter herzlich eingeladen. Informationen dazu sind hier zu finden oder bei Dörte und Hans Zorn, Tel. 04303-442 zu erhalten.

Für alle, die auch später noch für das unabhängige Kinderkrankenhaus in der Region Fukushima spenden wollen, hier die Kontoverbindung für das Spendenkonto: Kontoinhaber: Kazuhiko Kobayashi; Konto-Nr.: 0966002101 bei der Commerzbank Hamburg (BLZ 200 800 00); Verwendungszweck: „Spenden für Kinder in Fukushima“

Zuletzt geändert am: Nov 12 2013 um 4:12 PM

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