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Bericht über die Veranstaltung mit Zeitzeugen von Tschernobyl in Heikendorf am Montag, den 24. April 2017

Veröffentlicht von Hans (hans) am May 06 2017
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Der Reaktor von Tschernobyl steht auf dem Gebiet der Ukraine, aber nur 11 km von der Grenze nach Belarus entfernt, und Belarus hat auch heute noch mit einer erheblich höheren radioaktiven Belastung zu kämpfen als die Ukraine.

Diese Belastung kommt auch in steigenden Gesundheitsgefahren der Bevölkerung in diesem Gebiet zum Ausdruck: So hat sich Im Oblast Gomel  im Vergleich zum Zeitraum vor 1988 die Zahl der jährlich neu an Brustkrebs erkrankten Frauen bis 2005 verdoppelt – und die Krankheit betrifft zunehmend jüngere Frauen. Auch die Leukämiefälle sind  im Vergleich zum Zeitraum vor der Explosion des Reaktors, um etwa 50 Prozent gestiegen. Und das sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen (Langfelder/Frenzel, Univ. München 2006).

Frau Filomenka hat nicht nur ihre Heimat verloren, sondern auch erhebliche gesundheitliche Probleme durch die Strahlung davongetragen, außerdem einen schwer behinderten Sohn zu versorgen. Die Schäden ziehen sich aber auch in die nächste Generation weiter: Das Kind ihres zweiten Sohnes hat Probleme mit der Schilddrüse, wie sie ganz charakteristisch sind für Kinder, die in verstrahlten Gebieten aufwachsen, und wie sie nicht nur rund um Tschernobyl, sondern auch in den belasteten Gebieten um Fukushima gehäuft auftreten. Während die Großmutter der Familie mit den Kindern schon wenige Tage nach dem Unfall evakuiert wurde, blieb Frau Filomenka noch länger im Gebiet von Tschernobyl, um die Versorgung der Liquidatoren mit Lebensmitteln zu organisieren.

Der andere Gast des Abends, Herr Nikolaj Bondar stammt aus der Ukraine. Er berichtete von seiner Arbeit am Reaktor als Mitglied eines Sonderbataillons für geheime Tätigkeiten. Während seiner Arbeit war er nur 5 km vom Reaktor entfernt in einem Feldlager untergebracht. Die Aufgabe des Bataillons bestand darin, die Hubschrauber zu beladen, die Abdeckmaterial auf den Reaktor warfen. Später gehörte er zu einer Spezialeinheit dieses Bataillons, die Löschwasser, das sich unter dem Reaktor angesammelt hatte, abpumpen musste. Wäre der immer noch heiße Reaktor mit diesem Löschwasser in Berührung gekommen, hätte es eine weitere Explosion gegeben, die das Gebiet in einer Umgebung von etwa 500 km unbewohnbar gemacht hätte. Obwohl ihm bewusst war, wie gefährlich diese Arbeit war, hat er sich freiwillig dazu gemeldet. Auch Herr Bondar hat mit vielen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Beide Liquidatoren haben am eigenen Leib erfahren haben, wie gefährlich die Atomtechnologie ist. Ihnen ist es deshalb wichtig, einen Beitrag zur Aufklärung über diese Gefahren zu leisten.

Zuletzt geändert am: May 06 2017 um 10:44 AM

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